Von:
Susanne Platzhoff

e-fantasie.de

Nach eingehender Betrachtung eines besonders schönen Stückchens Platanenrinde erklärt Martha J. dem staunenden Zuhörer, dass es sich hierbei in Wahrheit um einen Mox handelt. Denn ein Mox, so fährt Frau J. fort, habe genau ein Auge, einen Arm und ein Bein. Ihr geübtes Auge konnte die Rinde natürlich sofort als Mox identifizieren. Die Fortbewegung dieses Wesens erfolgt übrigens nicht fliegend, denn Muxe haben keine Flügel. Schwimmen hingegen können sie – in einem Boot freilich.

Unversehens ist aus dem Mox ein Mux geworden, der sich im Laufe des Gesprächs in einen Müx verwandelt. Hier schreitet die Evolution aber zügig voran – denkt sich der erstaunte Zuhörer. Schließlich war er vorher weder in die Existenz von Müxen, geschweige denn in die ihrer Vorfahren, der Muxe und Moxe, eingeweiht.

Fragt man Frau J. nun, worin sich denn die Moxe von den Muxen und Müxen unterscheiden, so ist sie auch hierbei um keine Antwort verlegen: Während die Moxe – Gott sei es geklagt – jeweils nur über eines der sonst paarweise vorkommenden Körperteile wie Augen, Beine und Arme verfügen, besitzen die Müxe von jedem zwei.

Kein Blatt vor den Mund nimmt die dreijährige Naturforscherin, wenn es um die eindeutig männliche Identität der Moxe geht. Diese haben sie den Müxen – als Ausgleich für ihre ansonsten etwas einseitige Ausstattung durch die Natur – voraus. Des weiteren vermag sie den aufmerksamen Zuhörer zu verblüffen, indem sie ihn über die evolutionäre Formbarkeit des Moxes aufklärt: Eine einzige Drehbewegung ihrer Hand reicht aus, um den Mox wieder in einen Müx zu verwandeln.

Da kommt der erwachsene Zuhörer aus dem Staunen gar nicht mehr heraus vor lauter Moxen, Muxen und Müxen. Die Welt ist voller Wunder, ahnt man dann wieder und freut sich über die unerwartete Bereicherung der Schöpfung durch die Moxe und Müxe.

Da siehst du es: Die Welt ist groß und sehr gut und Vieles an ihr so wunderbar. Sie ist voll der erstaunlichsten Wesen, deren Existenz einem bislang aus unerklärlichen Gründen verborgen geblieben war.

Da bedurfte es unweigerlich einer Martha, um sie ins Leben zu rufen und ihnen ihren Platz in der Schöpfung zuzuweisen.

(Nachzeichnung eines Gesprächs zwischen Susanne P. und Martha J. – beide fahrradfahrend: Frau P. auf eigenem Rad, Frau J. – philosophierend – auf dem Rücksitz ihrer Mutter.)